Gabriele Basilico:
Nah am Wasser gebaut

3. Juni bis 18. September 2026

Die in dieser Ausstellung präsentierten Arbeiten des italienischen Künstlers Gabriele Basilico ließen sich augenzwinkernd in einer bekannten Redewendung zusammenfassen: »Nah am Wasser gebaut«.

Die Bilder zeigen maritime Landschaften, die durch die Bebauung von Menschen geprägt sind. Die Titel der einzelnen Arbeiten (etwa »Bilbao«, »Dunkerque« oder »Hamburg«) geben Auskunft darüber, wo sich der Fotograf jeweils aufgehalten hat. Gabriele Basilicos Aufnahmen wirken zunächst distanziert. Sie sind von Stille geprägt und überwiegend menschenleer. Werden doch Personen gezeigt, so eher als Elemente der Bildkomposition denn als Individuen.

Nach einer Weile stellt sich ein Gefühl von Ruhe ein; die Bilder fordern uns auf, innezuhalten und uns in die Details der abgebildeten Landschaften zu versenken. Dazu tragen nicht nur Komposition und Lichtstimmung, sondern auch die feine Ausarbeitung der schwarz-weißen Abzüge durch die Hand des Künstlers bei.

Gabriele Basilicos Arbeitsweise ist von Kontemplation geprägt. Er steht häufig für längere Zeit an einem Ort und versucht, die Landschaft in sich aufzunehmen und auf das sich wandelnde Licht zu achten, bevor er das erste Mal durch die Linse seiner Kamera schaut und schließlich den Auslöser betätigt.

Der Künstler war schon als Kind kunstinteressiert und studierte zunächst Architektur, da ihn, wie er selbst sagt, die Repräsentation von Raum interessierte. Im Zuge des Studiums und beeinflusst von einer sich verändernden Weltordnung durch die 68er-Bewegung, begann er, sich der Fotografie zu widmen. Ab 1973 arbeitet er als professioneller Fotograf und verdient seinen Lebensunterhalt vor allem durch Auftragsarbeiten im Bereich Architektur und Gestaltung. Dies habe ihn allerdings nie davon abgehalten, persönliche Projekte zu realisieren.
Die Werke in der Sammlung der DZ BANK sind teilweise im Rahmen eines in den 1980er Jahren gestarteten Programms der Délégation interministérielle à l’aménagement du territoire et à l’attractivité régionale (DATAR) entstanden. Mehrere Fotografinnen und Fotografen wurden damit beauftragt, das französische Staatsgebiet zu porträtieren. Gabriele Basilico konzentrierte sich zunächst auf Häfen und Küsten in der Normandie und der Bretagne. Hier dokumentierte er maritime Orte zuerst mit einer Kleinbildkamera und kehrte später mit Großformatkamera und Stativ zurück.

Während der Arbeit am DATAR-Projekt entdeckte Gabriele Basilico, was Landschaft für ihn bedeutet: ein Gefühl von Unendlichkeit. Der Künstler führt uns in ihrer Zeit verharrende und dadurch unerreichbare Szenen vor Augen. Gleichzeitig wecken die Bilder persönliche Erinnerungen und Assoziationen. Denken wir bei der Betrachtung der Landschaft »Boulogne/Le Portel« an ähnliche Orte, die wir einst aufsuchten? Ruft sie Szenen eines geschätzten Films in uns wach? Auch wenn die Aufnahmen nicht zwingend zu Tränen rühren, so laden sie uns doch zur Selbstreflexion ein und zur Erkundung eigener, innerer Landschaften.

Gabriele Basilico wurde 1944 in Mailand, Italien geboren; 2013 verstarb er ebenda.

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