Haus & Hof

3. Juni bis 18. September 2026

So unterschiedlich und unabhängig voneinander die Werke der in dieser Ausstellung gezeigten Künstlerinnen und Künstler auch zu betrachten sind – es eint sie ein tiefes Interesse an von Menschen gestalteter Landschaft. Auf diesen Kulturlandschaften sind Formen und Strukturen zu sehen, die mal mehr, mal weniger architektonische Assoziationen wachrufen.

Der Duden definiert »Kultur« als die »Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung«. Etymologisch leitet sich der Begriff von dem lateinischen Verb ›colere‹ (bearbeiten, pflegen) bzw. ›cultura‹ (Bebauung, Bestellung des Ackers) ab. Diese Definition lässt sich sowohl auf die Motive der hier präsentierten Arbeiten beziehen als auch auf die Kunstwerke selbst.

Claus Bury ist hauptberuflich Goldschmied und Bildhauer. Seine von ihm als »Reisefotografie« bezeichnete Serie »Bauernarchitektur« entstand auf Exkursionen durch Deutschland, Europa und Indien. Auf diesen Streifzügen nutzte er verschiedene Kameras, um möglicherweise unbeabsichtigt gestaltete Gebilde aus Getreideschobern zu fotografieren. Der Anblick von Heuhaufen und Strohballen ist uns durchaus geläufig. Durch den von Claus Bury gewählten Bildaufbau und die Ausarbeitung der schwarz-weißen Abzüge auf Silbergelatinebarytpapier erscheinen sie jedoch in neuer Form: als Bauwerke auf menschengemachter Landschaft.

Frank Darius’ Serie »Tunichtgut« beschäftigt sich mit seiner Heimatstadt Berlin und ihrer unmittelbaren Umgebung. Urbane Metropolen stellen verdichtete Formen von Kulturlandschaften dar. Durch feine Überbelichtung und weiche Pastelltöne erscheinen Plattenbauten oder Strommasten in Frank Darius’ Arbeiten zugleich als träumerisch entrückte Naturräume. Der technische Prozess interessiert ihn dabei weniger; wichtig ist für ihn die Bildsprache, das Gesehene zu fixieren.

Auch Simone Nieweg setzt sich mit von Menschen geformter Landschaft auseinander, hier mit dem ruralen Raum in Nordrhein-Westfalen. Neben provisorisch anmutenden Objekten wie Bohnenstangen und Gebilden aus Wellplastik nimmt die Künstlerin auch die Kulturlandschaft als solche in Augenschein. Durch das Zusammenspiel von sorgfältig komponiertem Bildaufbau und einer gezielt gewählten Lichtstimmung eröffnen die als Pigmenttintenstrahldrucke ausgearbeiteten Aufnahmen eine ungewohnte Sicht auf Vertrautes.

Menschen sind in keiner der hier gezeigten Arbeiten zu sehen – sie werden jedoch indirekt durch die von ihnen geformte und an sie angepasste Umwelt sichtbar.

Claus Bury wurde 1946 in Gelnhausen geboren. Er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Frank Darius wurde 1963 in Berlin geboren, wo er auch heute lebt und arbeitet.

Simone Nieweg wurde 1962 in Bielefeld geboren. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.

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