Peripheres Sehen

Laurenz Berges, Simone Nieweg

Simone Nieweg und Laurenz Berges teilen eine spezifische Sensibilität für den Menschen und die Spuren seiner Verbindung zu den Landschaften und Orten seiner Lebenswelt. Beide haben in der Meisterklasse von Bernd Becher gelernt und sind somit der Düsseldorfer Schule zuzuordnen. Kennzeichnend für die Düsseldorfer Schule sind die serielle Beschäftigung mit einem bestimmten Topos – zunächst oft industrielle Orte – und eine sachlich-konzeptuelle Herangehensweise, die das Objekt ins Zentrum rückt.

Die intensive Auseinandersetzung mit Agrarlandschaften zeichnet die Kunstwerke von Simone Nieweg aus, wobei ein Dialog zwischen Natur und Kultur eröffnet wird. Die Künstlerin fängt diese Gegenden nicht einfach ein, sondern hebt Strukturen hervor, mit denen der Mensch sie gestaltet und sich so sukzessive in die Natur eingeschrieben hat. Häufig handelt es sich um Aufnahmen von Äckern, Waldrändern oder sogenanntem Grabeland, kleingärtnerisch genutztem Brachland an den Rändern von Siedlungen, das parzellenweise zum Gemüseanbau verpachtet wird. Traktorspuren, befestigte Wege oder einfache Gemüsebeete zeugen von menschlicher Präsenz. Die großformatige Analogfotografie »Maulwurfshügel, Schwalmtal« aus dem Jahr 2003 erinnert an eine verschneite Berglandschaft, wobei diese Perspektive jedoch durch die Bäume am Horizont verunsichert wird. Die subtile Beobachtungsgabe der Künstlerin und ihre Schärfung des scheinbar belanglosen Details zeigen sich in der poetischen Bildkomposition, zu der nahezu schattenloses Licht und der Eindruck vollkommener Stille gehören.

Im Gegensatz dazu setzt sich Laurenz Berges in seinen Werken mit Architektur auseinander. Hier rücken verlassene oder scheinbar konservierte Orte in den Fokus seiner Wahrnehmung. Einen Schwerpunkt der präsentierten Motive sind Aufnahmen aus urbanen Randzonen des Ruhrgebiets (»Ruhrblicke«): Fassaden, von denen der Putz abbröckelt, schiefe Jalousien, verwilderte Gärten oder Detailaufnahmen von einzelnen Objekten. In »Kringelkamp, 2010« ist ein mit Wasser vollgelaufener Metallbehälter zu erkennen, in dem buntes Laub schwimmt. Die Aufnahme hat keine Zentralperspektive und die unterschiedlichen Farbtöne der Wandflächen sowie des Metallobjekts wirken wie aneinandergefügte geometrische Flächen. Ein zweiter Schwerpunkt sind Bilder seiner Serie »Kasernen, 1991–1995«, Aufnahmen aufgegebener russischer Kasernen in der ehemaligen DDR kurz nach der Wiedervereinigung. In den Fotografien der leeren Innenräume finden sich nur noch wenige Hinweise auf das Leben der Besatzer aus der damaligen Sowjetunion. Neben streng komponierten Raumaufnahmen in der Totalen werden vom Künstler Abdrücke an den Wänden, verwohnte Zimmerecken, Spiegel oder zerschlissene Vorhänge wie Stillleben eingefangen. Durch die Reduktion auf das Wesentliche schafft Laurenz Berges in seinen Kunstwerken eine klare Bildsprache, die an Farbfeldmalerei erinnert.

Sowohl bei Laurenz Berges als auch bei Simone Nieweg ist der periphere Blick auf ihre jeweilige Umwelt essenzieller Teil ihres künstlerischen Schaffens. Beide verwenden analoge Bildgebungsverfahren und komponieren ihre fotografischen Kunstwerke langsam und sorgfältig. Gemeinsam ist ihnen auch, dass die Perspektive in ihren Motiven merkwürdig »ver-rückt« ist und dadurch unser Sehen irritiert.

Laurenz Berges wurde 1966 in Cloppenburg geboren. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Simone Nieweg wurde 1962 in Bielefeld geboren. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.

    Ich bin interessiert an Ihrem / Ihren


    Anmeldung Presseverteiler

    Anmeldung erfolgreich!

    Ihre Adresse wurde erfolgreich registriert.

    Sie erhalten eine E-Mail von uns, um Ihre Registrierung zu bestätigen.

    Viele Grüße
    Ihre Kunststiftung DZ BANK