Boris Savelev: Lichtmembrane
1. Oktober 2025 bis 28. März 2026
Auch in Objekten, die wir ständig vor Augen haben, kann man visuell Neues entdecken, sagt Boris Savelev: »Alles hängt vom Licht ab, diesem großen Magier, der in einer Sekunde das Triviale in das Außergewöhnliche verwandeln kann.«
1972 schloss Boris Savelev am Moskauer Luftfahrtinstitut sein Studium ab und arbeitete als Ingenieur, bis er sich 1982 als Freiberufler ganz der Fotografie zu widmen begann und regelmäßig von Verlagen in der UdSSR, der Ukraine und dem Ausland engagiert wurde. Bis 1988 herrscht die Schwarz-Weiß-Fotografie vor; seit den frühen 1980er Jahren experimentiert Boris Savelev mit Farbfotografie, bis er dann komplett auf sie umsteigt – zunächst analog, später digital.
Auf den Straßen verschiedener Metropolen findet er seine Motive. Es sind meist keine spektakulären, sondern eher kontemplative Szenen, die er aus dem Zeitfluss des Alltäglichen festhält. Wenn wir Menschen sehen, sehen wir keine Handelnden. Es sind eher wartende oder vorbeiziehende Statistinnen und Statisten, die die Bilderwelten von Boris Savelev bewohnen. Eine melancholische Atmosphäre durchdringt viele seiner Bilder. Dieses Gefühl wird nicht nur durch die eher dunkle Farbgebung hervorgerufen, sondern auch durch die Kommunikations- und Kontaktlosigkeit der erfassten Personen.
Das Licht ist hier nicht einfach Beleuchtung, sondern ein eigenständiges bildnerisches Medium. Es durchbricht mehrere Bildebenen und verbindet sie gleichzeitig, indem es Muster und Formen projiziert. Die Lichtführung schafft membranartige Beziehungen zwischen den einzelnen Objekten und dem sie umgebenden Raum.
Boris Savelev setzt malerisch die unterschiedliche Stofflichkeit einzelner Bildelemente ein: von bröckelnden Mauern über glänzende Metalloberflächen bis hin zu der warmen Textur von Holz und der klaren oder durch Schmutz verschleierten Transparenz von Glasscheiben.
Die Kompositionen sind geprägt von einem Wechselspiel zwischen Symmetrie und Asymmetrie. Während einige Werke eine fast strenge Symmetrie aufweisen, die eine ruhige, meditative Atmosphäre schafft, durchbrechen in anderen immer wieder Diagonalen und unerwartete Blickachsen diese Ordnung und führen eine dynamische Spannung in das Bild ein.
Boris Savelev wurde 1947 in Czernowitz, Ukraine geboren, 1966 zog er nach Moskau. Seit 2022 lebt er im Exil in Spanien.



