Presseinformation
26. Mai 2021
Adrian Sauer. Identitäten und Ideologien
28. April – 11. September 2021
Unsere Überzeugungen machen uns aus. Dabei sind uns die Glaubenssätze, denen wir folgen, nicht immer bewusst. Indem er Fragen stellt, ohne Antworten zu erwarten, öffnet Adrian Sauer (* 1976, Berlin, DDR) die gedanklichen Strukturen derer, die sich auf seine Arbeiten einlassen. Letztlich bedient er sich dabei einer Methode, die ideologisches Handeln entlarvt und Identitätsbildung ermöglicht.
In der Ausstellung »Identitäten und Ideologien« erweitert der Künstler unseren Horizont beispielsweise mithilfe der fotografischen Soundinstallation »Fotografieren ist«, 2019, die in die Philosophie der Fotografie hineinreicht. Er modifiziert Suchergebnisse, die er bei Google auf seine Eingabe »Fotografieren ist« erhalten hat. Dem Ergebnis »Fotografieren ist sozial und interaktiv« etwa fügt er weitere Variationen hinzu, wie zum Beispiel »Fotografieren ist asozial und interaktiv, Fotografieren ist sozial und passiv, Fotografieren ist asozial und passiv«. Der Künstler hat die Resultate nicht nur durch seine Auswahl und durch unterschiedliche Negationsformen der Sätze bearbeitet, sondern auch, indem er die Abfolge der »Strophen« in ein neues Bezugssystem stellt. Anschließend ließ er den Text von der Schauspielerin Charlotte Puder und ihrem Kollegen Felix Preißler aufsprechen und spielt ihn als Vierkanalton im Raum ab. Durch die Abwandlung der Suchergebnisse und die Neukontextualisierung der Inhalte wird den Zuhörenden bewusst, dass jeder Aussage etwas Wahres innewohnt, was sie in die Lage versetzt, ihre eigenen Vorstellungen hinterfragen zu können.
Ähnlich geht Adrian Sauer auch mit seinen digitalen C-Prints, den digital erzeugten Bildern, den skulpturalen Formulierungen und fotografischen Soundinstallationen um. Er zerlegt die Fotografie in ihre kleinsten Einheiten, indem er beispielsweise selbst Computerprogramme schreibt, die die Struktur des Bildes aus Bits und Bytes offenbaren, um sie im Anschluss in abgewandelter Form neu zu präsentieren.
Der Künstler führt uns somit vor Augen, dass die individuelle Wahrnehmung mehr ist als ein Motiv, das sich auf unserer Netzhaut abbildet. Es ist Inhalt, Kommunikation, Impuls, Bewusstsein, Hinterfragung, Erkenntnis und vieles mehr. Mit seinen Herangehensweisen befragt Adrian Sauer unsere Ideologien und versetzt uns in die Lage, unsere Identität immer wieder neu zu definieren.
Adrian Sauer hat sein Studium der Fotografie 2005 als Meisterschüler von Timm Rautert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig beendet. Er lebt und arbeitet in Leipzig.
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